Auswirkungen des Klimawandels auf die Osterseen

„Der vom Menschen verursachte Klimawandel seit dem Beginn der Industrialisierung ist Realität. Das belegen wissenschaftliche Untersuchungen.“ Diese Aussage stammt von Dr. Uta Raeder, stellvertretende Leiterin der Limnologischen Station Iffeldorf. In einem Forschungsprojekt untersuchen die Iffeldorfer Limnologen unter anderem die Auswirkungen des Klimawandels in den oberbayerischen Seen. Im Gespräch mit IFFELDORFERLEBEN skizziert Raeder einige Ergebnisse.

Steigende Durchschnittstemperaturen der Luft und der Ozeane, das großflächige Abschmelzen von Schneeund Eisflächen sowie der Meeresspiegelanstieg – alle diese Erscheinungen belegen, dass sich das Erd-Klimasystem erwärmt. Dieser Trend setzt sich auch künftig fort. Dazu tragen Treibhausgase, Rodungen und das Verbrennen von fossilem Treibstoff (also das Freisetzen von Kohlendioxid) bei. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf unser Klima, denn die Atmosphäre ist in der Lage, mit jedem Grad Temperaturanstieg auch mehr Wasserdampf (etwa siebenProzent) aufzunehmen, der seinerseits als Treibhausgas wirkt. Dadurch steigt – so Wikipedia – zwar global die durchschnittliche Niederschlagsmenge, in einzelnen Regionen wird jedoch auch die Trockenheit zunehmen durch die bei höheren Temperaturen beschleunigte Verdunstung. Letztere führt zudem noch zu einem höheren Risiko für Starkregen, Überschwemmungen und Hochwasser – wie dies in den letzten Jahren auch in unseren Breiten zu verzeichnen war.

„Die Erhöhung der Wassertemperatur ist nicht so extrem wie die der Lufttemperatur“, stellt Dr. Uta Raeder klar. „Aber die Temperatur des Oberflächenwassers in Seen steigt, der gesamte Wasserkörper kühlt auch langsamer wieder ab und er wird sich auch nicht mehr so gut durchmischen.“ Das führe dazu, dass einheimische, wärmeliebende Arten bessere Bedingungen vorfi nden und sich besser vermehren – wie etwa das Nixenkraut. „Es können aber auch fremde Arten einwandern und gedeihen, die ansonsten höhere Temperaturen bevorzugen“, gibt Raeder zu Protokoll. „Die werden zum Beispiel eingeschwemmt – auch aus privaten Aquarien. Manche Aquarienbesitzer wollen ihre gut gedeihenden Pflanzen nicht kompostieren, sondern sie setzen das in einem Graben aus. Letztendlich k.nnen diese Gewächse dann in die heimischen Seen gelangen und hier haben sie dann optimale Bedingungen und keine Fressfeinde.“

Ein Beispiel für nicht heimische Pflanzen ist im Fohnsee direkt am Campingplatz zu sehen. Hier haben sich Camper einen „Wasservorgarten“ angelegt und Seerosen eingebracht, die nicht heimisch sind. Aber auch die Limnologen müssen sauber arbeiten, um keine Pflanzen von anderen Seen über die Boote oder die Taucherausrüstung einzuschleppen. „Durch die Erwärmung am Chiemsee sind dort mittlerweile sogar Süßwasser-Quallen zu finden“, stellt Raeder fest, „die sind aber für Badegäste nicht gefährlich“. Apropos Baden: Generell betrachtet haben die Osterseen eine sehr gute Badewasserqualität. Entsprechende Untersuchungen führt das Gesundheitsamt regelmäßig durch. Dabei geht es um die bakteriologische Belastung der Badeseen – eine Aufgabe, die nicht von den Limnologen geleistet wird.

Der Klimawandel verändert die Gewässer auf verschiedene Art und Weise. „Fische haben die Möglichkeit, abzutauchen und in kältere Regionen zu schwimmen, Pflanzen nicht“, bringt es Raeder auf den Punkt. „Aber die Fische brauchen die Pflanzenwasserwelt als Laichplätze, sozusagen als Kinderstube. Die Pflanzen führen auch Photosynthese durch, damit wird der Sauerstoffgehalt für die Fischlaiche noch besser. Die Unterwasservegetation ist für die gesamte Nahrungskette sehr wichtig. Denn die Fische sind entweder Räuber, oder sie fressen Plankton. Die Wasserpflanzen sind in vielen Fällen die Struktur, auf der das wachsen kann, was die Fische fressen.“ Aber es sind nicht nur die steigenden Temperaturen, die die Pflanzenwelt der Seen beeinflussen. „Ein Faktor für das Algenwachstum in den Osterseen ist das Einfließen von Nährstoffen“, sagt Raeder. „Dabei ist im Gewässer die Phosphorkonzentration der bestimmende Faktor für das Pflanzenwachstum. Generell kommt noch reichlich Phosphor in die Seen, er wird aus den Böden ausgeschwemmt oder kommt über landwirtschaftliche Nutzflächen in die Seen.“ Dabei handle es sich um

Altlasten in den Böden, denn früher gab es keine Kanalisation, sondern noch Versitzgruben. Erst in den 1980er Jahren wurde Iffeldorf an die Kanalisation angeschlossen. „Steigt das Phosphorvorkommen in einem Gewässer, fördert das sofort das Pflanzenwachstum“, erläutert Raeder. „Der Waschsee und der anschließende Schiffhüttensee weisen die höchsten Phosphorkonzentrationen auf. Daher wachsen die Algen in diesen Seen am besten.“ In diesem Sommer war das Algenwachstum im Waschsee sehr deutlich zu sehen, denn die Algenwannen schwimmen auf der Wasseroberfläche. „Viele erkennen darin eine Verschlechterung“, kommentiert Raeder. „Doch früher, vor 30 Jahren, war noch mehr Phosphat in den Seen – Konzentrationen von 100 Mikrogramm Phosphor pro Liter waren keine Seltenheit. Heutzutage ist der Wert auf etwa die Hälfte gefallen.“ Früher war das Wasser im Waschsee sehr trüb durch mikroskopisch kleine Algen, die eine Art Algenbrühe bildeten. Der heutigen Algenwannen auf dem Waschsee versucht man mittlerweile durch Abfischen Herr zu werden. Je weiter man bei den Osterseen in Richtung Norden geht, umso geringer werden der Phosphorgehalt und somit auch das Algenwachstum. Für die Osterseen gibt es keinen „dominierenden“ Zufluss. Der Steinbach führt nur selten viel Wasser – wie es schon sein Name vermuten lässt. „Die Speisung der Osterseen erfolgt in erster Linie aus dem Grundwasser, das durch Trichter an die Oberfläche dringt“, stellt Raeder fest. Ein sichtbarer Vertreter dieser vielen Quelltrichter ist die Blaue Gumpe am Weg um den großen Ostersee. Es fließt andererseits auch viel Wasser in Richtung Starnberger See: Der südlichste Ostersee, der Waschsee, liegt zirka 80 Zentimeter höher als der Starnberger See.

„Das Grundwasser in einer Region hat in etwa die Temperatur der Jahresmittel-Außentemperatur, liegt bei uns also zwischen 8 und 10 Grad Celsius“, stellt Raeder fest. „Bekommt ein See viel Grundwasser ab, zeichnet er sich durch kaltes Wasser im Sommer und warmes Wasser im Winter aus.“ Diese Seen frieren dann auch nicht so schnell zu – unter Umständen gar nicht. Noch gefährlicher: An den Stellen über einem Grundwassertrichter ist das Eis vergleichsweise dünn.

Text und Fotos: Rainer Huttenloher