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Hubert und Hans

Aus dem Rathaus

Hubert und Hans – großes Kino bei der Amtsübergabe

Dass aus Hubert und Hans eine Traumbesetzung für Iffeldorf werden würde, war nach dem Kommunalwahlkampf 2014 keineswegs absehbar. Zu unterschiedlich die Politikansätze, zu kontrovers die Diskussion und zu knapp das Ergebnis.  52,6 % für Hubert, 47,4 % für Hans. Das hat sicherlich beiden weh getan. Dem Hans, weil er nur zweiter Sieger war, und dem Hubert, weil er bei der Wahl 2008 ja beachtliche 94% errungen hatte. Damals allerdings ohne Gegenkandidaten. 

Ziemlich mutig, aber auch bezeichnend für den Iffeldorfer Gemeinderat war es deshalb, dem Hubert den Hans als 2. Bürgermeister zur Seite zu stellen. Rückblickend gesehen aber eine gute Besetzung, von der unser Dorf entscheidend profitiert hat. 

Nicht nur, dass sich der Hubert und der Hans ganz schnell „zusammengerauft“ haben. Wobei beide dem Verfasser versicherten, dass „zusammengerauft“ absolut die falsche Wortwahl sei. „Wir haben uns zusammengesetzt und alles ruhig, sachlich und freundschaftlich durchgesprochen. Schließlich kennen wir uns ja von klein auf! Und jetzt machen wir das gemeinsam!“  Gemeinsamkeit - diese Linie haben Hans und Hubert über die komplette zweite Amtszeit von Hubert durchgehalten und in beeindruckender Weise unter Beweis gestellt. 

In die Traumbesetzung hat der Hubert neben seinem fröhlichen, unbeschwerten Naturell natürlich seine Erfahrungen aus der ersten Amtszeit eingebracht. Auch wenn man angesichts der 42-jährigen Amtszeit von Huberts Lehrmeister Albert Strauss der irrigen Meinung sein könnte, das Amt werde einem quasi in die Wiege gelegt: als Bürgermeister wird man nicht geboren! Gerade Bürgermeistern, die dieses Amt ehrenamtlich ausüben, erwächst unmittelbar nach der Wahl neben Beruf und Familie eine neue Herausforderung. Die muss man von der Kraft und Zeit her erst mal bewältigen! 

 

Zeit war der entscheidende Faktor, den der Hans – sieht man einmal von seinen vielen anderen Qualifikationen ab – in die Traumbesetzung eingebracht hat.  Wenn der Hubert im Laufschritt von der Bühne (dem Rathaus) stürmte, weil irgendein anderer „Drehort“ seine sofortige Anwesenheit erforderte: Der Wald, weil der Harvester im Anmarsch war, oder die Feuerwehr, wenn’s im Dorf gebrannt oder auf der Autobahn gekracht hatte. Dann ist der Hans aus der Rolle des „Kulissenschiebers“ oder besser „Kümmerers im Stillen“ herausgetreten und hat, überaus hilfreich, Huberts Rolle übernommen.

Ein Segen, dass beide nicht den Drang hatten, im Mittelpunkt zu stehen oder den Applaus und die Lorbeeren für sich persönlich zu beanspruchen. Das hätte schwierig werden können, weil sie gemeinsam viel fürs Dorf erreicht haben:  Breitbandausbau, davon Stufe 1 zum Nulltarif (!), Bebauungspläne, Ausrüstung und Fahrzeuge für die Feuerwehr. Das neue Feuerwehrhaus hatte der Hubert noch in seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht, den Bau und seine Fertigstellung konnten sie dann schon gemeinsam überwachen und später auch feiern. 

Als großen Erfolg können sie sich zweifellos auch die Erweckung des Deichstetter-Hauses aus dem Dornröschenschlaf auf die Fahnen schreiben, wobei erst ein runder Tisch und ein Bürgerentscheid nötig waren, bis dann endlich das Haus „wachgeküsst“ werden konnte und damit ein weiteres Kleinod für Iffeldorf entstand. 

Dies sind nur die herausragenden Leistungen, neben denen die vielen kleinen, im Tagesgeschäft errungenen Verdienste hier nicht alle aufgezählt werden können.

 

Aber wie das mit Traumbesetzungen so ist, irgendwann endet jedes Engagement. Verständlich, dass der Hubert (oder etwa die Christa?) beschlossen hat, 30 Jahre Dienst für die Gemeinde (12 Jahre 1. Bürgermeister, 2 Jahre im Gemeinderat als 2. Bürgermeister und 16 Jahre „einfacher“ Gemeinderat) sind genug! Also hat sich der Hubert 2020 nicht mehr auf die Besetzungsliste setzen lassen und der Hans hat sich für die Hauptrolle beworben. Das Ergebnis ist bekannt.

Seinen letzten ganz großen Auftritt hatte der Hubert in seiner Rolle des „Überzeugungstäters“ (Zitat Hans Lang) am 29.April in der letzten Sitzung des Gemeinderates. Corona-bedingt im großen Saal, aber vor kleinem Publikum und dafür mit ausreichendem Abstand. Zunächst galt es , drei Kolleg*innen, Frau Michaela Liebhardt (CSU, 24 Jahre engagiert), Herrn Thomas Link, (PWG, 12 Jahre engagiert) und Herrn Dr. Christian Gleixner (PWG, 6 Jahre engagiert) aus dem Ensemble zu verabschieden. Das absolvierte Hubert im großen Ornat (Amtskette) jeweils mit einer kurzen Laudatio, einer Urkunde, einem Löwen aus Nymphenburger Porzellan sowie mit einer Flasche Wein und einem Blumenstrauß für die Partnerin.

Auch Siegfried Hirth, ein wichtiges Mitglied des Ensembles, das sich im Hintergrund über Jahrzehnte um die Belange des Friedhofs gekümmert hat, beendete auf eigenen Wunsch altersbedingt sein Engagement. Nun wurde er  in ehrenvoller Weise und mit großem Dank der Gemeinde bedacht und ebenfalls mit einem Löwen gewürdigt.

Dann war die Bühne endlich frei für das große Finale mit Hans und seiner Laudatio auf den Hubert. Die fiel – wer hätte es anders erwartet – überaus respektvoll, freundschaftlich und herzlich aus, und der Hubert war sichtlich gerührt. Bezeichnend, dass beide, weil sie sich sicher waren, das Abstandsgebot nicht einhalten zu können, sich bereits mit dem Mund-Nase-Requisit ausgestattet hatten, bevor es an die Überreichung von Urkunde, Löwe sowie Abschiedsgeschenk (ein Gutschein für „Quality-Time“ mit Christa) ging. Eine besondere Ehrung gab es dann noch vom Gemeinderatsensemble: Dieses hatte einstimmig – wie fast immer – beschlossen, den Hubert zum „Regisseur ehrenhalber“ (Altbürgermeister) zu ernennen. Da hat man dem Hubert die Emotionen dann schon recht deutlich angesehen.

Dem letzten Akt, der Übergabe der Amtskette vom Hubert an den Hans, ging natürlich auch eine Würdigung vom Hans durch den Hubert voraus und die spiegelte eindrucksvoll das besondere, in sechs gemeinsamen Arbeitsjahren gewachsene Verhältnis zwischen dem „gerade noch“ und dem „fast schon“ Bürgermeister wieder. 

Der Vollständigkeit halber sei angemerkt: Als Abschluss-Szene hatte die Regie für das Ensemble und die Zuschauer einen Abschiedsumtrunk vorgesehen. Bedauerlicherweise geriet dieser jedoch zu einen Abstandsumtrunk, so dass diese Szene nachgedreht werden muss. Ort und Zeit werden rechtzeitig bekannt gegeben!

Text: Wolfgang Döhl Fotos: Mathias Kroiß